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KINDERGARTEN - CHEKECHEA

Autor: Julia | Datum: 25 November 2013, 08:25 | 0 Kommentare

Jeden Freitag gehe ich vormittags in den Kindergarten. Der Kindergarten unterscheidet sich doch ziemlich von dem Kindergarten, den wir aus Deutschland kennen.

Es fängt damit an, dass der Kindergarten aus einem Raum besteht mit einigen Holzbänken und bisher nur einem Tisch. Vorne ist eine Tafel. Es ist immer unterschiedlich wie viele Kinder kommen. Manchmal kommen nur wenige, dann sind es um die 20 Kinder und andere Male kommen an die 40 Kinder. Mädchen und Jungen sitzen prinzipiell getrennt, die Jungs auf der linken und die Mädels auf der rechten Seite.

Der normale Ablauf sieht wie folgend aus:

·         Es wird gesungen (teilweise mit Akkordeon begleitet) und gewartet bis einigermaßen viele Kinder da sind. Der offizielle Anfang ist um 08.00Uhr morgens.

·         Dann wird als Erstes Schreiben gelernt. Dafür wird vorne an die Tafel „a e i o u“ geschrieben. Darunter dann jeden Tag ein neuer Konsonant mit den Vokalen, zB: „ga ge gi go gu“. Als Letztes werden dann noch drei oder vier Wörter angeschrieben, die mit dem jeweiligen Konsonanten anfangen. Die Wörter werden erst erklär und oft wird noch ein Bild dazu gemalt. Dann lesen oder schreien die Kinder alles laut vor. Danach dürfen dann noch Einzelne nach vorne kommen und alleine vorlesen. Was ich sehr schön finde ist dass, wenn ein Kind etwas richtig gemacht hat, klatschen alle zusammen in die Hände und rufen „Glückwunsch“. Sie bekommen dadurch also eine positive Bestärkung und Lob. Danach holen die Kinder, die schon besser schreiben können ihre Hefte raus und schreiben alles Buchstabe für Buchstabe ab. Die anderen jüngeren Kinder schreiben auf kleine Tafeln mit winzigen Stücken von Kreide. Das wird dann, wie in Deutschland dem Lehrer gezeigt, der es wiederum kontrolliert und ein „super“ drunter setzt.

·         Das gleiche Spiel wird dann nochmal mit Mathe wiederholt. Erst wird „1 2 3 4 5 6 7 8 9 10“ angeschrieben und dann gibt es noch ein paar einfache Rechenaufgaben für die Kinder. Erst gemeinsam, dann wieder einzeln und zum Schluss alles abschreiben.

·         Zwischendurch wird immer wieder gesungen und getanzt. Die Kinder fangen daher schon im Kindergarten an dieses berühmt berüchtigte afrikanische Rythmusgefühl zu bekommen. Das könnte man in Deutschland eigentlich auch viel mehr machen meiner Meinung nach.

·         Um 10.00Uhr gibt es dann die Tee-Pause. Jedes Kind kriegt eine Tasse Tee und freitags gibt es dazu auch noch Mandazi. An anderen Tagen gibt es auch Uji (= flüssiger Maisbrei). Später wird dann nochmal nachgeschüttet. Auch die beiden Lehrer und ich kriegen Tee, allerdings eine große Tasse und deutlich mehr Mandazi.

·         Nach dem Tee wird dann noch draußen gespielt, bis es dann um 11.30Uhr klingelt und die Kinder nach Hause laufen. Die Jungs spielen ganz oft Fußball, die Mädchen so was Ähnliches wie Schweinchen in der Mitte mit abwerfen. Meistens wollen sie mir allerdings die Haare flechten. Naja da muss ich wohl mit meinen blonden und anderen Haaren durch, obwohl es teilweise etwas scherzhaft ist, wenn 10Kinder in 10 verschiedene Richtungen an deinen Haaren ziehen. Danach sehe ich dann meisten so aus, als hätte ich eine Krähennest in den Haaren oder hätte mir mit jmd die Haare gerauft. Manche können es aber auch schon sehr gut und das Wichtigste ist, dass es Ihnen viel Spaß macht!

Ich tue mich noch sehr schwer damit, mich im Kindergarten Lehrerin zu nennen. Ich kenne den Kindergarten als einen Ort, wo vor allem zusammen gespielt oder gebastelt wird, nicht aber als einen Ort, wo gelernt wird. Aber auch das versuche ich zu verstehen. Es gibt hier einfach nicht die Möglichkeiten und Mittel so viel zu spielen und seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Das liegt einmal an dem nicht vorhandenem Geld, an der fehlenden Ausbildung der KindergärtnerInnen und auch einfach daran, dass man unser System hier nicht kennt und daher Ideen, wie zB mal Papierflieger oder Ähnliches zu basteln nicht vorhanden sind, weil auch die Lehrer einfach nichts anderes kennen. Dabei ist dieser Kindergarten schon sehr gut ausgestattet. Er wird durch Spenden aus Deutschland finanziert und hat auch viele Spielsachen, wie zB Autos, Bälle und Puppen.

Ein weiterer Grund ist, dass es alles eine Vorbereitung auf die Grundschule ist. Der Unterricht läuft anscheinend ähnlich ab und daher ist es notwendig, dass die Kinder schon vorher darauf vorbereitet sind und möglichst viel schon können, bevor sie in die Schule kommen, damit sie da noch mehr lernen können. Mein Problem bei der Sache ist, dass ich nicht das Gefühl habe, dass die Kinder wirklich verstehen, was sie dort lernen. Wirklich lesen können sie die Wörter nicht. Abschreiben und jeden Tag nach dem gleichen Schema laut vorlesen und Nachsprechen bildet kein großes Problem. Aber dieses stumpfe Auswendiglernen ist nicht mein Verständnis von lesen und schreiben lernen. Aber selbst, wenn man versuchen würde in der Beziehung etwas zu ändern und das deutsche System zu übernehmen, wäre das für die Kinder nicht unbedingt von Vorteil. Dadurch dass es hier ein vollkommen anderes Schulsystem ist, würde es den Kinder nicht helfen, da sie später wieder in die alten Lernweisen zurückkehren würden. Es ist daher nicht immer einfach zu „unterrichten“.

Eine weitere Sache, die mich etwas stört ist der Umgang der Kinder untereinander. Sobald jmd etwas nicht passt, wird der Andere geschlagen oder geschubst. Es fängt alle Nase jemand an zu weinen und irgendwie verstehe ich das nicht. Auch wenn ich ein Kind mal auf den Arm nehme, kommen 10 andere Kinder an und schreien: „ ich auch! Ich auch!“ und dann werden erst mal alle anderen aus dem Weg geschubst und geschlagen. Irgendwie war das nie meine Art mit Gewalt meine Ziele zu erreichen. Naja geduldig bleiben und immer wieder sagen: „Hört auf!“.

Seit ein paar Wochen gehen Barbara und ich freitags in den Kindergarten um zusammen mit den Kindern eine Aktion zu der Bibelstelle des kommenden Kindergottesdienstes zu machen. Am Anfang erklären wir, was genau in der Bibelstelle passiert und malen dazu zB Bilder an die Tafel oder spielen etwas vor. Danach findet dann die Aktion statt und zum Schluss wird dann nochmal alles wiederholt. Da zurzeit die Josephsgeschichten aus Genesis dran sind, haben wir auch dazu verschiedene Sachen gemacht. Wir haben zb mit den Kindern einen Umhang bedruckt, verschiedene Geschichten nachgespielt, Lieder gelernt, Bänder geflochten oder Orangensaft ausgepresst und Brot gebacken. Die Kinder sind immer total begeistert und wollen unbedingt mitmachen. Die Kinder sind doch irgendwo alle sehr goldig und auch sehr schlau. Verstehen viele Zusammenhänge und sind ziemlich neugierig. Ich finde es auch sehr faszinierend, wie diszipliniert sie trotz alledem sind. Es ist bestimmt nicht einfach und auch nicht immer das, was die Kindre am liebsten wollen, stundenlang auf Holzbänken rumzusitzen und zu lernen ohne ein Muss zu machen. Das bewundere ich sehr. Auch in Gottesdiensten sind die Kinder größtenteils sehr ruhig und benehmen sich sehr sehr gut.

Dadurch, dass man freitags jetzt immer Mal einen neuen Impuls setzt, mag ich es sehr gerne in den Kindergarten zu gehen. Die Kinder haben sich inzwischen an mich gewöhnt und ich mich auch an sie. Wenn man dann mal durch die Dörfer geht, freue ich mich immer sehr, wenn die Kleinen mir statt „Mzungu“ dann „Julia“ hinterherrufen.

 

 

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